Papier ist geduldig

Kommt nach der Atomlobby jetzt die Windkraftlobby?  Der Windatlas des TÜV-Süd entstand, nach eigenen Angaben, durch die „enge“ Zusammenarbeit mit Betreibern, Anlagenherstellern, dem Bundesverband Windenergie und mehreren Ministerien, damit man eine möglichst hohe Qualität der Daten gewährleisten kann, so der TÜV-Süd. Ob dieses Datenmaterial der Windkraftbetreiber auch einer Überprüfung durch eine neutrale Stelle standhält, bleibt offen.

Betrachtet man nur mal die Jahre 2009 und 2010, kommen mir schon Zweifel ob sich die im Windatlas angegebenen Windgeschwindigkeiten eher am guten Ertragsjahr 2007 anlehnen. Die Ergebnisse der  Windkraftanlagen z.B. in 2010 sprechen eine andere Sprache. Ausgerechnet der von den Windkraftbefürworten  so gerne zitierte „ Grüne Heiner“ bei Weilimdorf erzielte im letzten Jahr mit nicht einmal 590 000 KW (knapp 1200 Volllaststunden), den schlechtesten Ertrag seit der Inbetriebnahme im März 2001. Die Erträge dieser WEA waren außer in 2007 stets unter den Erwartungen. Diese WEA dient aber den Windgutachtern als Referenzanlage für den Standort Ingersheim. Die beiden Standorte und die unterschiedlichen Windkraftanlagen miteinander zu vergleichen und dann ein Betriebsergebnis hochzurechnen, kann eine hohe Fehlerquote zur Folge haben.  Das ist u.a. der Tatsache geschuldet, dass es um im Landkreis Ludwigsburg zu bleiben, praktisch keine Windmessdaten in 100 oder 140 Metern Höhe gibt. Ist es also auch Zufall oder Absicht, dass von den Betreibern des Grünen Heiner seit Januar keine Ergebnisse mehr im Internet veröffentlicht werden?

Die Betreiber der Windkraftanlage am Brandenkopf im Schwarzwald, auf 945 m Höhe gelegen, geben für ihren Standort eine mittlere Jahreswindgeschwindigkeit von 5,8 m/s an und dieser Standort ist nach der Landesstatistik der zweitbeste im Land. Im neuen Gutachten für den Standort Ingersheim werden nun 5,7 m/s ausgewiesen. Da passt wohl offensichtlich etwas nicht zusammen.

Aber mal ehrlich, wer in ein Bürgerwindrad im Landkreis Ludwigsburg Geld investiert muss schon heroische Gründe haben. Merke: Immer wenn man bei solchen Projekten die Bürger mit ins Boot holt, droht das Boot zu kentern. Das gilt auch für den jetzt durch die Ludwigsburger Grünen vorgeschlagenen Standort beim oder auf dem  Lemberg. Ein Anruf beim Bürgermeisteramt in Affalterbach könnte da hilfreich sein. Dort wird man den Ludwigsburger Grünen und dem OB Herrn Spec erklären, warum es diesen Standort nicht geben wird.

Thomas Schöller
Marbach